Der Wasserstand von Seen wird direkt und indirekt durch den Niederschlag beeinflusst. Sinkende Wasserstände führen zu vielfältigen ökologischen Problemen. Mit dem Indikator B9 wird die Entwicklung des Wasserstands des Ahrendsees beobachtet.
Wasserstand natürlicher Seen
Wasserstand natürlicher Seen (B9)
Bedeutung des Themas: Noch sind die langfristigen Trends der Niederschlagsmenge in Sachsen- Anhalt nicht eindeutig zu bestimmen (LAU 2020). Es gibt jedoch Regionen des Landes, in denen sich eine Abnahme der Jahresmenge des Niederschlags abzeichnet, beispielsweise an der Wetterstation Gardelegen (LAU 2020), die rund 41 km vom Arendsee entfernt ist. In allen Teilen des Landes steigt die Jahresmitteltemperatur an (LAU 2022). Mit den steigenden Temperaturen nimmt die Verdunstung an Oberflächengewässern wie Seen zu. Beide Entwicklungen, abnehmende Niederschlagsmengen und zunehmende Verdunstung, können dazu führen, dass der Wasserstand in Seen sinkt. Sinkende Wasserstände beeinflussen die Gewässerqualität sowie das Leben an und in den Seen. Die Konzentration im Wasser gelöster Stoffe kann steigen. Außerdem kann ein sinkender Seewasserspiegel insbesondere bei flachen Seen dazu führen, dass mehrere Meter Ufer trockenfallen und Stege weit oberhalb der Wasseroberfläche stehen. Dies beeinträchtigt Badende und Bootsfahrende. Beim Arendsee hat der sinkende Wasserstand in den vergangenen Jahren zudem dazu geführt, dass Munition aus dem Zweiten Weltkrieg an den größer werdenden Ufern gefunden wurde und geborgen werden musste, um die Sicherheit von Badenden zu gewähren (Häckl & Heundorf 2023). Insbesondere aber haben sinkende Wasserstände Auswirkungen auf die ökologischen Qualitäten eines Sees. Chlorophyll und Cyanobakterien nehmen mit sinkenden Wasserständen häufig zu, klare Seen können sich zu trüben Seen entwickeln (Bär Lamas 2022). Der kleiner werdende Wasserkörper heizt sich im Sommer schneller auf, womit sich auch das Schichtungsverhalten eines Sees verändern kann. Dies kann zu einer veränderten Algenbiomasse und zu einem Rückgang der Fischbestände führen (Bär Lamas 2022; Adrian & Shatwell 2018). Der Stoffwechsel und die Biodiversität von Arten werden beeinflusst und eine Einwanderung invasiver Arten ist möglich (Bär Lamas 2022). Im Uferbereich gehen bei sinkenden Wasserständen Brutgebiete für Vögel oder Laichgebiete für Fische verloren.
Beschränkung auf natürliche Seen (> 50 ha): Sachsen-Anhalt ist arm an natürlichen Seen. Größere wassergefüllte Holformen existieren nur im Mansfelder Raum (Süßer See, Kernersee und Bindersee als Rest des ehemaligen salzigen Sees), in der nördlichen Altmark mit dem Arendsee und im Jungmoränenland im äußersten NordostenSachsen-Anhalts (Oelke 1997). Der Arendsee gehört zu den größeren Seen (> 50 ha) und fällt unter die Regulierungen der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL). Sein Wasserstand wird im Vergleich zu Talsperren oder Bergbaufolgeseen, deren Wasserstand stark reguliert ist, nur wenig anthropogen beeinflusst. Beim Arendsee, dessen Zuflüsse meist wenig oder zeitweise auch gar kein Wasser führen, können Grundwasserentnahmen den Seewasserspiegel beeinflussen. Durch die vergleichsweise geringe anthropogene Beeinflussung ist dieser See für das Klimafolgenmonitoring besonders wertvoll. Hinzu kommt, dass der Arendsee schon seit 1960 mit Messtechnik ausgestattet ist, die den Wasserstand täglich automatisiert erfasst. Damit gibt es eine gute Datengrundlage für einen Wasserstands- Indikator. Dennoch wäre zu überlegen, künftig auch Kiesseen und eventuell Bergbaufolgeseen, deren Wasserstand nicht reguliert wird, in den Indikator zu integrieren, sollten diese mit ähnlich guter Messtechnik ausgestattet werden. Der Wasserstand von Kiesseen ist ebenfalls in der Regel nicht oder nur wenig reguliert. Bisher jedoch fehlt hierfür die Datengrundlage.
Betrachtung des hydrologischen Jahres: Das hydrologische Jahr (Synonyme: „Abflussjahr“, „Wasserwirtschaftsjahr“) ist in der DIN 4049 definiert und hat sich bei der Betrachtung von Fragestellungen zum Wasserhaushalt bewährt. „Durch die Verschiebung zum Kalenderjahr werden […] auch die Niederschläge erfasst, die als Schnee und Eis im Einzugsgebiet gespeichert werden und erst im Frühjahr als Schmelzwasser abflusswirksam sind.“ (Helmholtz-Zentrum Hereon 2013)
Schritt 1: Zusammenstellung oder Berechnung der Monatswerte Die Daten werden in täglicher Auflösung geliefert. Zum Teil müssen zunächst die Monatsmittelwerte aus den Tageswerten berechnet werden.
Schritt 2: Mittelung für das hydrologische Jahr Arithmetisches Mittel des Wasserstands im hydrologischen Jahr (01.11. des Vorjahres bis 31.10.)
Intervall der Zeitreihe: jährlich, seit 1961