Gottesanbeterin

Bestimmungshilfe - Europäische Gottesanbeterin

Die Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa) ist die einzige heimische Gottesanbeterinnenart und trotz ihrer Körpergröße von bis zu 7,5cm ein echter Tarnungskünstler. Die Lauerjäger verharren minutenlang regungslos im Gras und warten auf Beute.

Gottesanbeterinnen sind durch ihre Fangbeine perfekt in ihre Umwelt eingenischt. Insbesondere die Männchen sind ausgewachsen sehr agil und können gut fliegen. 

Durch die Klimaveränderung im befindet sich die Art seit einigen Jahrzehnten in der Ausbreitung. Das Muster der Änderung ihrer Verbreitung gibt wichtige Rückschlüsse über verschiedene naturschutzfachliche Fragestellungen. 

Die Insektenordnung der Gottesanbeterinnen oder Fangschrecken besteht weltweit aus über 2400 Arten, von denen nur eine in Deutschland zu finden ist. Daher wird die bei uns heimische Art auch meist nur Gottesanbeterin genannt. Mantis religiosa wurde zum Insekt des Jahres 2017 gekürt. Das Kuratorium zum Insekt des Jahres hat auch einen Flyer heraus gegeben.

Maße und Zahlen

Entwicklungsdauer: 1 Jahr

Größe: Männchen bis zu 60mm, Weibchen bis zu 75mm

Lebensraum

Die Lebensraumansprüche der Art sind breit gefächert, limitierend ist besonders die Verfügbarkeit geeigneter Beutetiere. Insbesondere im Frühjahr, wenn die Larven aus dem Eipaket schlüpfen, müssen ausreichend Kleinstinsekten vorhanden sein. In Baden-Württemberg ist die Art vor allem in wärmebegünstigten Lebensräumen zu finden. Hierzu zählen neben trocken-warmen Wiesen auch Weinberge.

Lebensweise

Als opportunistischer Räuber kann die Gottesanbeterin alles fangen und fressen, was sich bewegt und etwas kleiner ist als sie selbst. Dabei stehen unterschiedlichste Insekten aber auch Eidechsen und kleine Schlangen oder junge Spitzmäuse auf dem Speiseplan. Die Fangschrecke lauert regungslos und ist gut getarnt, bei Bedarf kann sie dann aber in Sekundenbruchteilen zuschlagen.

Die Gottesanbeterinnen sind aufgrund ihres kannibalistischem Verhaltens insbesondere während der Paarung bekannt, allerdings ist dieses Verhalten bei der heimischen Art eher als Ausnahme zu bezeichnen. Wenige Tage nach der Paarung legt das Weibchen ein bis vier als Oothek bezeichnete schaumige Eipakete ab. Anfänglich weich, härtet es schnell aus und bietet den durchschnittlich 60-70 Eiern optimalen Schutz um u.a. kalte Temperaturen im Winter zu überstehen. Die Larven schlüpfen erst im Frühjahr des darauffolgenden Jahres. Die Tiere häuten sich sechs bis achtmal bis sie ausgewachsen sind. Die fertig entwickelten Tiere treten ab Juli auf und sind bis November in ihrem Lebensraum zu finden. Nach der Paarung bzw. der Eiablage sterben die adulten Tiere.

Entwicklungsweg einer Gottesanbeterin, angefangen bei der überwinternden Oothek (Bild links oben) über die wenige Millimeter größen Nymphen direkt nach dem Schlupf (Bild rechts oben). Die Tiere häuten sich dann einige Male, das Bild links unten zeigt ein fast ausgewachsenes Tier, bei dem die Flügelansätze bereits zu erkennen sind. Bis hin zu den ausgewachsenen Individuen. Im Bild rechts unten ist ein Weibchen zu erkennen, welches kurz vor der Ablage der Oothek steht. 

 

Gesamtverbreitung

Die ursprünglich aus Afrika stammende Art ist mittlerweile im gesamten Südeuropa flächendeckend verbreitet. In Eurasien findet man die Art nördlich des 46. Breitengrades nur noch lückig und in klimatisch begünstigten Regionen. In Westsibirien reicht die Verbreitung jedoch bis zum 55. Breitengrad. Die ersten Nachweise der Art in Deutschland stammen aus dem 18. Jahrhundert. Seit den 1990er Jahren kann eine vermehrte Ausbreitung in Deutschland festgestellt werden. Mittlerweile scheinen eine westliche Population die aus Frankreich eingewandert ist in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen und Saarland zu existieren. Eine östliche Population in Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt scheint ursprünglich aus Tschechien zu stammen. Durch menschliche Verschleppung kommt die Art auch in Nordamerika vor.

Gefährdungsursachen

  • Pestizideinsatz
  • Verbuschung von Wiesen und Weiden
  • Nasskalte Frühjahre
  • Intensivnutzung von Wiesen

Schutzmaßnahmen

  • Extensive Nutzung von trockenwarmen Wiesen und Weiden
  • Förderung von artenreichem Offenland
  • Reduktion von Pflanzenschutzmitteleinsatz

Schutzstatus

Die Europäische Gottesanbeterin gehört zu den besonders geschützten Arten nach Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV).

 

Gottesanbeterin erkennen

Bei der Gottesanbeterin handelt es sich um eine leicht zu erkennende Art, die sich zum einen durch ihre Größe, aber auch durch ihre zu Fangbeinen umgebildeten Vorderbeine von allen anderen heimischen Arten unterscheidet. Auf den folgenden Bildern sind die charkteristischten Merkmale markiert und beschriftet. Es sei noch angemerkt, dass die Grundfarbe der Tiere variieren kann. Von einem satten grün bis zu einem beige können alle Farbvarianten auftreten.

 

Trotz ihrer Merkmale könnte es Verwechslungen mit den größeren Heuschrecken geben:

Michael Waitzmann

Zwei Beispiele für Arten die mit der Gottesanbeterin verwechselt werden könnten. Auf dem ersten Bild ist die Gemeine Sichelschrecke (Phaneroptera falcata) zu sehen, die sich besonders durch ihre Größe von der Gottesanbeterin unterscheidet. Die erwachsenen Tiere messen ohne Flügel nur knapp 2cm. Auf dem zweiten Bild ist das deutlich größere Grüne Heupferd (Tettigonia viridissima) zu sehen, welches eine Körperlänge von knapp 4cm erreicht. Mißt man die Flügel mit, kann sie 7cm erreichen und ist somit durch die Größe am ehesten zu verwechseln. Beide Heuschreckenarten zeichnen sich allerdings durch lange und kräftige Hinterbeine aus, welche für das Sprungvermögen der Arten verantwortlich sind. Sprungbeine besitzen die Gottesanbeterinnen nicht. Weiterhin können die Heuschrecken keine Fangbeine vorweisen, die Vorderbeide weisen hier keine spezielle Anpassung auf.