E6 - Entwicklung Humusvorrat in forstlichen Böden

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Der Schutz von Kohlenstoff im Waldboden ist von großer Bedeutung für den Kohlenstoffkreislauf und für den Klimaschutz. Gleichzeitig ist der Schutz organischer Substanz für den Wasser- und Nährstoffhaushalt der Waldböden ein zentrales Thema der nachhaltigen Forstwirtschaft. Der voranschreitende Klimawandel könnte durch höhere Temperaturen eine zügigere Mineralisierung und damit geringere Kohlenstoffspeicherung bewirken. Wenn aber durch Trockenheit die Mineralisierung zum Erliegen kommt, wären auch höhere Kohlenstoff-speicherraten im Wald möglich. Dies würde sich in mächtigeren Humusauflagen widerspiegeln, die aber relativ schnell bei Wiederbefeuchtung veratmet werden könnten. Diese Speicher sind daher nicht als sehr stabil anzusehen. Wichtige Indikatoren für die Situation des Kohlenstoffs im Waldboden sind Mächtigkeit, Qualität und Verteilung der organischen Substanz, dem Humus. Dabei wird nach aufliegenden Humusformen und organischer Substanz im Mineralboden unterschieden. Aufbau, Mächtigkeit und Zusammensetzung von Humus kennzeichnen zudem wesentliche standörtliche Bedingungen für das Waldwachstum. Klimatische Faktoren wie Temperatur und Niederschlag steuern die Auf- und Abbaubedingungen von Humus. Der Verteilung der Humusformen Mull, Moder und Rohhumus in der Bodenzustandserhebung sowie der organischen Kohlenstoffvorräte in der Humusauflage und des Mineralbodens kommen insbesondere in ihrer Dynamik wichtige Bedeutung für Wirkungen des Klimas in Wäldern zu. Gleichzeitig beeinflusst auch die Zusammensetzung und die Struktur des Baumbestandes den Humuszustand.

Unter Humus wird die Gesamtheit der von abgestorbenen Pflanzenteilen und Tiersubstanzen abstammenden organischen Stoffe auf und im Boden verstanden. Im Wald wird die Humusauflage überwiegend durch die Blatt- und Nadelstreu gebildet und liegt dem Mineralboden auf. Die Humusformen kennzeichnen die Zersetzertätigkeit und Mineralisationsraten. Die höchsten Umsetzungsraten werden beim Mull erreicht, mittlere Raten beim Moder und eine gehemmte Zersetzertätigkeit zeigt sich beim Rohhumus. Die Humusformen werden morphologisch nach Vorhandensein, Beschaffenheit und Mächtigkeit der Humuslagen (L, F- und H-Lage) ausgewiesen:

  • Die Litter-Lage (L) im Auflagehumus besteht aus noch unzersetzten Blättern und Nadeln.
  • Die Förna-Lage (F) zeigt bereits deutliche Zersetzungen durch Mikroorganismen und Pilze.
  • In der Humus-Lage (H) sind kaum noch Blatt-und Nadelstrukturen erkennbar, da diese durch die Mikroorganismen und Pilze komplett verarbeitet sind.
Hinweis: Die Klassifikation der Humusformen in der Bodenzustandserhebung (BZE) hat sich geändert. Rohhumusartiger Moder wurde zum moderartigen Rohhumus (entsprechend der bundeseinheitlichen Bodenkundlichen Kartieranleitung, 6. Auflage KA6). Dadurch ändern sich rückwirkend – im Vergleich zum letzen Stand des Kennblatts vom Februar 2021- alle prozentualen Verteilungen (BZE I, II und III) der Humusformen im BZE-Kollektiv. Beim Mull wird die Auflage schnell mineralisiert, sodass die Blätter meist innerhalb eines Jahres in den Mineralboden eingearbeitet sind. Im Mull sind sehr viele Regenwürmer aktiv, der obere Mineralboden hat krümeliges Gefüge. In ihm ist eine H-Lage nie, eine F-Lage allenfalls nur ansatzweise vorhanden. Im Moder gibt es weniger Regenwürmer, die Streuzersetzung verläuft deutlich langsamer. Stets sind L- und F-Lagen, aber auch schon H-Lagen ausgebildet. Wanderungsfähige Huminstoffe, die mit dem Sickerwasser in den tieferen Mineralboden gelangen, treten auf. Im Rohhumus fehlen größere Bodenwühler, die Streuzersetzung findet ausschließlich in der organischen Auflage statt. Sie verläuft sehr langsam und unvollständig. Die H-Lage ist kompakt und brechbar. In ihr entstehen im Vergleich zum Moder in stärkerem Maß wanderungsfähige Huminstoffe. Die Kohlenstoffvorräte in der Humusauflage werden über das Trockengewicht und die gemessene Kohlenstoffkonzentration bestimmt und in Tonnen je Hektar angegeben. Im Mineralboden berechnen sich die Kohlenstoffvorräte aus dem Produkt der organischen Kohlenstoffkonzentration, der Trockenrohdichte des Feinbodens und der Schichtmächtigkeit, abzüglich des Steingehaltes. Die als Datenquellen genutzten Bodenzustandserhebungen (BZE) wurden im Wald an 96 Stichprobenpunkten in einem repräsentativen, systematischen Stichprobenraster von 8 km mal 8 km durchgeführt. Dabei sind Humusauflagen und Mineralböden bis 200 cm Bodentiefe beprobt, analysiert und ausgewertet worden.
NW-FVA Bodenzustandserhebungen 1993 (BZE I), 2006 (BZE II) und 2023 (BZE III)
2025 für Humusauflage, ca. 2027 für Kohlenstoffvorräte im Mineralboden
Hier gibt es das Kennblatt als PDF zum herunterladen: Humusvorrat-PDF